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Fachwirt (IHK)

Auch: Geprüfter Fachwirt, Geprüfte Fachwirtin, Fachwirtin, Fachwirt IHK, Wirtschaftsfachwirt, Technischer Fachwirt, Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen

Förder24 Redaktion · Stand: 8. November 2026

Kurz erklärt

Ein Fachwirt ist ein öffentlich-rechtlicher Fortbildungsabschluss für kaufmännische Fach- und Führungskräfte, den meist die IHK nach §§ 53 ff. BBiG prüft. Er liegt auf DQR-Niveau 6 und trägt bei neu geordneten Abschlüssen den Zusatz „Bachelor Professional“.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fachwirt ist ein Fortbildungsabschluss der zweiten Stufe für kaufmännische Fach- und Führungsaufgaben. Rechtsgrundlage sind Bundesverordnungen nach § 53 BBiG oder Prüfungsregelungen der Kammer nach § 54 BBiG.
  • Zugelassen wird meist, wer eine kaufmännische Ausbildung hat; mit anderer Ausbildung oder ohne Abschluss ist mehr Berufspraxis nötig, beim Wirtschaftsfachwirt insgesamt bis zu vier Jahre.
  • Fachwirte liegen auf DQR-Niveau 6. Die Bezeichnung „Bachelor Professional“ tragen nur Fachwirte, deren Verordnung sie vorsieht.
  • Die Prüfungsgebühr liegt laut IHK Nord Westfalen beim Wirtschaftsfachwirt bei rund 680 €; Lehrgänge kosten zusätzlich.
  • Gefördert wird der Fachwirt in der Regel mit dem Aufstiegs-BAföG, nicht über das Qualifizierungschancengesetz.

Was ist ein Fachwirt?

Ein Fachwirt ist eine Person, die eine Fortbildungsprüfung für kaufmännische Fach- und Führungsaufgaben bestanden hat, meist vor der Industrie- und Handelskammer. Fachwirte übernehmen in ihrer Branche Aufgaben zwischen Sachbearbeitung und Geschäftsleitung: Sie planen Prozesse, steuern Projekte und Budgets und führen Teams.

Die Abschlüsse sind bundesweit einheitlich, wenn das Bundesbildungsministerium eine Fortbildungsordnung erlassen hat (§ 53 BBiG). Für manche Fachwirte gibt es nur Regelungen einzelner Kammern (§ 54 BBiG). Der Fachwirt ist eine Aufstiegs-Fortbildung der zweiten Stufe und damit ein Gegenstück zum Meister im kaufmännischen Bereich.

Welche Fachwirte gibt es?

Es gibt Dutzende Fachwirt-Abschlüsse. Die bekanntesten nach Bundesrecht, mit Stand der Verordnung laut DQR-Liste (1. August 2025):

FachwirtVerordnungZusatz Bachelor Professional
Wirtschaftsfachwirt2008, branchenübergreifendnein
Technischer Fachwirt2006, kaufmännisch-technische Schnittstellenein
Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen2011nein
Handelsfachwirt2014nein
Fachwirt für Einkauf2020Bachelor Professional in Procurement
Medienfachwirt2020Bachelor Professional in Media
Fachwirt für Marketing2023Bachelor Professional in Marketing
Fachwirt für Außenwirtschaft2023Bachelor Professional in Foreign Trade

Auch ohne Zusatz liegt jeder Fachwirt auf DQR-Niveau 6. Werden ältere Verordnungen neu gefasst, erhalten sie in der Regel die neue Bezeichnung; maßgeblich ist die Verordnung zum Zeitpunkt Ihrer Prüfung. Mehr zur Bezeichnung steht im Eintrag Bachelor Professional.

Zulassung, Prüfung, Dauer und Kosten

Zulassung: Beim Wirtschaftsfachwirt wird zum ersten Prüfungsteil zugelassen, wer eine dreijährige kaufmännische oder verwaltende Ausbildung hat. Mit einer anderen dreijährigen Ausbildung kommt ein Jahr Praxis hinzu, mit einer sonstigen Ausbildung zwei Jahre, ohne Abschluss sind drei Jahre Praxis nötig. Für den zweiten Teil verlangt § 2 der Verordnung ein weiteres Jahr Praxis. Die Praxis muss erst zum Prüfungstermin vorliegen. Wer die Handlungsfähigkeit anders glaubhaft macht, etwa durch Zeugnisse, kann ebenfalls zugelassen werden.

Prüfung: Ältere Fachwirte wie der Wirtschaftsfachwirt prüfen in zwei Teilen: „wirtschaftsbezogene Qualifikationen“ (Volks- und Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Recht und Steuern, Unternehmensführung) und „handlungsspezifische Qualifikationen“ mit Situationsaufgaben, Präsentation und Fachgespräch. Neu geordnete Fachwirte wie der Fachwirt für Einkauf haben eine schriftliche Prüfung über eine betriebliche Situation (600 Minuten) und danach Präsentation und Fachgespräch.

Dauer: Den Lehrgang wählen Sie selbst; eine Lehrgangspflicht gibt es nicht. Berufsbegleitende Lehrgänge laufen meist über mehrere Semester, Vollzeitlehrgänge sind kürzer. Für das Aufstiegs-BAföG muss eine Teilzeitmaßnahme innerhalb von 48 Monaten abgeschlossen sein, eine Vollzeitmaßnahme innerhalb von 36 Monaten (§ 2 Abs. 3 AFBG).

Kosten: Die IHK Nord Westfalen nennt für den Wirtschaftsfachwirt 684 € Prüfungsgebühr. Andere IHKs verlangen andere Beträge. Die Lehrgangskosten legt der Anbieter fest; sie kommen hinzu und machen meist den größten Teil der Kosten aus.

Beispiel: Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen

Frau N., 29, ist Medizinische Fachangestellte und arbeitet seit sechs Jahren in einer großen Praxis, zuletzt in der Abrechnung. Sie möchte die Praxisorganisation übernehmen. Sie belegt einen berufsbegleitenden Online-Lehrgang zur Geprüften Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen und legt die Prüfung vor der IHK ab. Ihr Arbeitgeber gibt ihr für die Prüfungstage frei. Für Lehrgang und Prüfung beantragt sie Aufstiegs-BAföG; die Hälfte der Gebühren erhält sie als Zuschuss.

Abgrenzung: Fachwirt, Fachkaufmann, Meister und Betriebswirt

AbschlussAusrichtungStufe und DQR
Fachwirtbreite kaufmännische Führung in einer BrancheStufe 2, Niveau 6
Fachkaufmannkaufmännische Funktion, etwa Personal oder BuchhaltungStufe 2, Niveau 6
Industrie- oder HandwerksmeisterFührung in Technik, Produktion oder HandwerkStufe 2, Niveau 6
Geprüfter BetriebswirtUnternehmensführung auf LeitungsebeneStufe 3, Niveau 7

Fachwirt oder Meister? Beide Abschlüsse stehen auf derselben Stufe. Der Meister passt zu gewerblich-technischen Berufen und ist im Handwerk teils Voraussetzung für die Selbständigkeit, der Fachwirt zu kaufmännischen Aufgaben. Der Technische Fachwirt verbindet beide Seiten. Nach dem Fachwirt ist der Geprüfte Betriebswirt der nächste Schritt.

Fachwirt und geförderte Weiterbildung

Für Fachwirt-Lehrgänge ist das Aufstiegs-BAföG der wichtigste Förderweg: 50 % Zuschuss auf Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis 15.000 €, der Rest als KfW-Darlehen, von dem nach bestandener Prüfung die Hälfte erlassen wird. Das Qualifizierungschancengesetz ist ausgeschlossen, weil der Abschluss nach dem AFBG förderfähig ist (§ 22 Abs. 1a SGB III).

Wer Arbeitslosengeld bezieht, kann für einen Teilzeitlehrgang trotzdem Aufstiegs-BAföG erhalten; bei Vollzeitlehrgängen ist das ausgeschlossen (§ 3 Nr. 3 AFBG). Ein Bildungsgutschein für einen Fachwirt ist nur ausnahmsweise möglich, wenn die Agentur für Arbeit die Weiterbildung für die Eingliederung als notwendig ansieht. Ob Sie die Weiterbildung in der Arbeitszeit machen können, erklärt der Ratgeber Weiterbildung während der Arbeitszeit. Ihre Fördermöglichkeiten besprechen Sie in der kostenlosen Förderberatung von Förder24.

Häufige Fragen zum Fachwirt

Was ist ein Fachwirt? Ein Fachwirt ist ein kaufmännischer Fortbildungsabschluss der zweiten Stufe, den meist die IHK prüft. Er qualifiziert für Fach- und Führungsaufgaben und liegt auf DQR-Niveau 6.

Was macht ein Fachwirt? Fachwirte planen und steuern betriebliche Abläufe, verantworten Budgets und Projekte und führen Mitarbeitende. Je nach Fachrichtung arbeiten sie etwa im Handel, Einkauf, Marketing, Gesundheitswesen oder branchenübergreifend.

Wie lange dauert der Fachwirt? Das hängt vom Lehrgang ab. Berufsbegleitend dauert die Vorbereitung meist mehrere Semester, in Vollzeit kürzer. Hinzu kommen die Prüfungstermine der IHK, die oft in zwei Teilen stattfinden.

Kann man den Fachwirt ohne Ausbildung machen? Ja, mit ausreichend Berufspraxis. Beim Wirtschaftsfachwirt sind es drei Jahre für den ersten und ein weiteres Jahr für den zweiten Prüfungsteil, beim Fachwirt für Einkauf fünf Jahre.

Was kostet der Fachwirt bei der IHK? Die Prüfungsgebühr liegt je nach IHK bei einigen hundert Euro, bei der IHK Nord Westfalen beim Wirtschaftsfachwirt bei 684 €. Die Lehrgangskosten kommen hinzu und lassen sich mit dem Aufstiegs-BAföG zur Hälfte als Zuschuss fördern.

Stand: November 2026

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