Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei der Agentur für Arbeit beginnt die Potenzialanalyse unverzüglich nach der Arbeitsuchendmeldung (§ 37 Abs. 1 SGB III).
- Das Ergebnis fließt in die Eingliederungsvereinbarung mit Ziel, Eigenbemühungen und geplanten Leistungen ein. Sie wird spätestens nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit überprüft, bei jungen Menschen nach drei Monaten.
- Im Jobcenter heißt das Gegenstück „Potenzialanalyse und Kooperationsplan“ (§ 15 SGB II).
- In der Schule gehört eine Potenzialanalyse zur Berufsorientierung, im bundesweiten Berufsorientierungsprogramm ab der 7. Klasse und vor den ersten Praxisphasen.
- In Unternehmen ist die Potenzialanalyse ein Werkzeug der Personalentwicklung ohne gesetzliche Grundlage.
Was ist eine Potenzialanalyse?
Eine Potenzialanalyse ist eine Untersuchung, welche Fähigkeiten, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten eine Person mitbringt und was ihrem beruflichen Weg im Wege steht. Anders als ein Zeugnis bewertet sie nicht vergangene Leistungen, sondern schaut nach vorn: Welche Tätigkeiten passen, und was müsste dafür noch gelernt werden?
Im Arbeitsförderungsrecht ist die Potenzialanalyse Pflicht. Nach § 37 Abs. 1 SGB III stellt die Agentur für Arbeit gemeinsam mit der arbeitsuchenden Person die für die Vermittlung erforderlichen Merkmale, die beruflichen Fähigkeiten und die Eignung fest. Sie klärt auch, welche Umstände die Eingliederung voraussichtlich erschweren. Für die Grundsicherung regelt § 15 SGB II dasselbe mit Blick auf individuelle Stärken.
Wie läuft eine Potenzialanalyse bei der Agentur für Arbeit ab?
- Sie melden sich arbeitsuchend, spätestens drei Monate vor Ende Ihres Arbeitsverhältnisses.
- Im Erstgespräch fragt die Vermittlungsfachkraft Ausbildung, Berufserfahrung, Kenntnisse, Mobilität, Gesundheit und persönliche Umstände ab.
- Bei offenen Fragen kann sie den Berufspsychologischen Service einschalten. Dort gibt es eine psychologische Begutachtung mit Gespräch und Tests, zum Beispiel zu logischem und rechnerischem Denken. Sie dauert mehrere Stunden, das Gutachten geht an Ihre Fachkraft.
- Die Ergebnisse werden in einer Eingliederungsvereinbarung festgehalten (§ 37 Abs. 2 SGB III): Eingliederungsziel, Vermittlungsbemühungen der Agentur, Ihre Eigenbemühungen und geplante Leistungen wie ein Coaching oder eine Weiterbildung.
Die Eingliederungsvereinbarung wird angepasst, wenn sich Ihre Situation ändert. Kommt keine Einigung zustande, legt die Agentur die Eigenbemühungen per Verwaltungsakt fest.
Potenzialanalyse in Schule und Unternehmen
Schule: Bundesweit fördert das Berufsorientierungsprogramm eine Potenzialanalyse für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, ab der 7. Klasse und vor den ersten Praxisphasen. Sie umfasst mindestens zehn Stunden Übungen an zwei Tagen und ein Auswertungsgespräch. Bestimmte Tests schreibt das Programm nicht vor, wohl aber Qualitätsstandards. Viele Länder haben eigene Programme zur Berufsorientierung. Ziel ist, Stärken jenseits der Schulnoten sichtbar zu machen, bevor Praxistage in Berufsfeldern folgen.
Unternehmen: In der Personalentwicklung prüft eine Potenzialanalyse, ob Mitarbeitende sich für neue Aufgaben, eine Führungsrolle oder eine Weiterbildung eignen. Übliche Methoden sind strukturierte Interviews, Assessment-Center, Arbeitsproben, 360-Grad-Feedback und psychometrische Tests. Ein einzelner Online-Test liefert dagegen nur Hinweise, keine verlässliche Analyse.
Beispiel: Von der Potenzialanalyse zur Weiterbildung
Ein ausgedachtes Fallbeispiel:
Frau S., 46, arbeitet seit 22 Jahren als Verkäuferin. Ihr Arbeitgeber schließt die Filiale, sie meldet sich arbeitsuchend. In der Potenzialanalyse zeigt sich: Sie hat Erfahrung mit Warenwirtschaft, Kassenabrechnung und Personaleinsatzplanung, aber Rückenprobleme schließen langes Stehen künftig aus. Die Fachkraft hält als Ziel eine Tätigkeit im kaufmännischen Büro fest. Weil Frau S. dafür Kenntnisse in Buchhaltungssoftware fehlen, vereinbaren beide eine geförderte Weiterbildung. Das Ergebnis der Potenzialanalyse dient später als Begründung für den Bildungsgutschein.
Abgrenzung: Potenzialanalyse und ähnliche Verfahren
Ähnliche Verfahren gibt es bei der psychologischen Begutachtung, beim Coaching und beim Profiling vor dem Wechsel in eine Transfergesellschaft. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wer sie durchführt und wofür das Ergebnis genutzt wird.
| Verfahren | Wer führt durch | Zweck |
|---|---|---|
| Potenzialanalyse nach § 37 SGB III | Vermittlungsfachkraft der Agentur | Grundlage für Vermittlung und Eingliederungsvereinbarung |
| Potenzialanalyse und Kooperationsplan nach § 15 SGB II | Jobcenter | dasselbe in der Grundsicherung |
| psychologische Begutachtung | Berufspsychologischer Service | vertiefte Eignungsprüfung, etwa vor einer Umschulung |
| Profiling in der Transfergesellschaft | Transfergesellschaft oder Träger | Pflicht vor dem Wechsel in eine Transfergesellschaft nach § 111 SGB III |
| Coaching mit AVGS | zugelassener Träger | Stärken klären und Bewerbung verbessern |
| Leistungsbeurteilung im Betrieb | Vorgesetzte | Bewertung bisheriger Arbeit, nicht der Entwicklung |
Potenzialanalyse und geförderte Weiterbildung
Eine gründliche Potenzialanalyse ist oft der Schlüssel zur Förderung. Die Agentur für Arbeit bewilligt einen Bildungsgutschein nur, wenn die Weiterbildung zu Ihrem Ziel und Ihrer Eignung passt. Ist Ihr Ziel noch unklar, kann ein Coaching mit AVGS helfen. Wie Sie das Ergebnis in eine schlüssige Begründung übersetzen, erklärt der Ratgeber Bildungsgutschein-Antrag begründen. Wer sich neu orientieren will, findet Anregungen unter berufliche Neuorientierung. Zur Vorbereitung auf das Gespräch mit der Agentur steht Ihnen die kostenlose Förderberatung von Förder24 offen.
Häufige Fragen zur Potenzialanalyse
Was macht man bei einer Potenzialanalyse? Bei einer Potenzialanalyse werden Ausbildung, Berufserfahrung, Fähigkeiten, Interessen und mögliche Hindernisse besprochen und teils mit Tests geprüft. Am Ende stehen ein berufliches Ziel und Schritte dorthin.
Ist die Potenzialanalyse bei der Arbeitsagentur Pflicht? Ja. Nach § 37 SGB III muss die Agentur für Arbeit nach der Arbeitsuchendmeldung eine Potenzialanalyse durchführen. Sie wirken als arbeitsuchende Person daran mit.
Was ist der Unterschied zwischen Eingliederungsvereinbarung und Kooperationsplan? Die Eingliederungsvereinbarung gilt bei der Agentur für Arbeit nach § 37 SGB III. Im Jobcenter hält der Kooperationsplan nach § 15 SGB II die Ergebnisse der Potenzialanalyse fest.
Kann ich mich auf eine Potenzialanalyse vorbereiten? Ja. Bringen Sie Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise über Weiterbildungen und Ideen für Ihr Berufsziel mit. Für Tests des Berufspsychologischen Service bietet die Bundesagentur kostenlose Beispielaufgaben an und rät von kostenpflichtigen Trainings ab.
Was ist eine Potenzialanalyse für Schüler? Die Potenzialanalyse für Schüler ist ein meist zweitägiges Verfahren ab der 7. Klasse, das Stärken und Interessen sichtbar macht. Sie bereitet auf Praxistage und die Berufswahl vor.
Stand: November 2026